CCD gegen Feder

Bloged in Alte Sachen, Dingenskirchen von euro Donnerstag April 5, 2007

Da trifft man sich nach langer Zeit, hat einiges erlebt inzwischen und will den Anderen daran teilhaben lassen.
Hat man ein Notebook, kommt vielleicht:”Hier auf dem Stick habe ich die Fotos von da und da, steck mal rein…”
Hat man keins, kommt vielleicht die Digicam:”Guck mal, hier sind die Fotos noch drauf von…” 2″ Bilddiagonale, 5 Megapixel - das ist schon was.
Sonst packt man das Fotohandy aus - immerhin 2 Megapixel.
Man hat es transportabel dabei - wer schleppt schon ein Fotoalbum mit sich rum?
Aber heute habe ich etwas gelernt.
Megapixel und Gigabyte - ohne Strom bleibt es dunkel. Soweit wusste ich es schon.
Aber wer hätte gedacht, dass man durch die Augen des Betrachters gucken kann - mit einer Realitätsnähe, die keine Kamera der Welt nachahmen kann? Und das ohne Strom. Wie genau ist das denn?

Copyright by Stefanie Karl

Und wie schön, dass es eine junge Kunststudentin war, die mir diese Faszination vermittelte - völlig ohne das zu wollen. Wahrscheinlich findet sie das hier völlig überzogen. Aber richtig betrachtet, sieht man mehr, als auf einem Foto. Die individuelle Sicht der Dinge fließt mit ein.

Copyright by Stefanie Karl

Das hier ist Bianca, eine Freundin jener Studentin.
Ich meine - wo bekommt man das schon so geliefert.
Ich brauche einen Spiralblock - einen Füllfederhalter (den mit dem Pfeil) habe ich schon. Erfinden wir das Bildermachen neu.

Euch muss ich es leider digital übermitteln. Das haptische Erlebnis, in einem Block zu blättern geht euch dadurch natürlich ab. Aber das solltet ihr unbedingt mal erleben.

Robert Zimmerman in Hamburg

Bloged in Dingenskirchen von euro Donnerstag April 5, 2007

“Livekonzert” ein Wort, das Assoziationen wachruft. Man denkt an Interaktion zwischen Künstler(n) und Publikum. Bühnenshow. Überspringender Funke, der einem das Gefühl gibt, dazuzugehören.
Gestern war ich in Hamburg. In der Color Line Arena. Genau neben der AOL-Arena, in der der FC St. Pauli zur gleichen Zeit gegen die Reserve des HSV spielte. Drüben fiel kein Tor. Zumindest die Anhänger des FC St. Pauli gingen wohl enttäuscht nach Hause an diesem Abend, haben sie doch damit den Aufstieg verpatzt. Wären sie mal rübergekommen, dann hätten sie zumindest einer lebenden Legende lauschen und gute Musik hören können - wenngleich die Platzkarten um ein Deutliches überteuert waren.

Bob Dylan gab sich die Ehre.
Seine Band und er kamen überpünktlich auf die Bühne der nicht voll besetzten Arena und begannen zu spielen. Kein Wort der Begrüßung, nur Musik.
Die Band in hellen Anzügen über dunklem T-Shirt und dunklen Hüten, der Meister farblich genau umgekehrt gekleidet. Dann raspelte er los, was nicht negativ gemeint ist. Dieser Mann, der im Mai seinen 66. Geburtstag feiert, wirkte kein bisschen alt, wenngleich seine Stimme sein Alter nicht kaschiert. Ein Lob an den Mixer, der dafür sorgte, dass Dylan nie in der Musik unterging.
Aber Bühnenshow? Null. Man hätte ohne viel Verluste auch ein Bild der Band hinhängen können.
Interaktion? Null. Nicht nur, dass Dylan das Publikum nicht begrüßte, er sagte auch sonst nichts, was man woanders schon mal hört - z.B. den nächsten Titel an: Das Publikum wird’s schon hören.
Und genauso pünktlich, wie er erschien, hörte er auch auf.

Die Musik war eine bunte Mischung aus allem, was er je gemacht hat. Es war beileibe kein homogenes Konzert. Aber gerade die Überraschungen machten es kurzweilig.
Erschienen einem die ersten Titel noch clean, fast steril, wurde es im Verlauf des Abends immer besser. So sparte er sich seine Klassiker wie Masters of War, All along the Watchtower und Like a Rolling Stone auch für das letzte Drittel auf.

Zwei deutlich geplante Zugaben (bei der zweiten wurde noch ein Transparent entrollt, dass ohne Zugaben ja völlig überflüssig gewesen wäre) und Ende! Interaktion: Bei der ersten Zugabe Vorstellung der Musiker, nach der zweiten Verbeugung aller und Abgang.

Trotz furztrockener Darbietung freuten sich die Ohren immerhin genug, dass man den Preis nicht bereuen musste und es reichte(!) gar für standing Ovations - vielleicht aber auch nur, weil man die Beine ausstrecken und schnell raus wollte, wegen des zu erwartenden Verkehrchaos, da die Fußballfans gegenüber auch gerade fertig waren - aber das ist sicher zu gehässig und wird der Darbietung nicht gerecht. Standing Ovations gab es vermutlich vielmehr deswegen, weil man für sich selbst eine Legende mit gebührendem Respekt verabschieden wollte. Keine Verehrung: Bob Dylan hat immer wieder betont, dass er Personenkult hasst. Aber Respekt. Den darf man haben und nach der Leistung des Mannes im immerhin Rentenalter muss man sogar haben.

Persönliches und damit total subjektives Fazit: Nullsummenspiel.
Die Karte war irre teuer, die An- und Abfahrt irre lang, das Konzert vergleichsweise kurz.
Wer Blues-, Folk- und Countryrock liebt, Dylan aber in den letzten 4 Jahrzehnten verpasst hat, sollte trotzdem hingehen.

Ein Sakrileg (in diesem Kontext) am Schluss:
Die Gütersloher SmallStars geben jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr drei Konzerte mit Musik aus den gleichen Genres. Mit jede Menge Bühnenshow und Publikumsinteraktion. Für den Preis eines Dylan Konzerts kann ich sechs(!) Jahre lang je ein Konzert davon hören - und das ohne Anfahrt.
Es ist nicht dasselbe, weiß ich auch. Aber mir persönlich bringt es mehr.

Nachtrag: Weil meine Meinung eben nur meine ist, hier noch ein paar andere (schön zu wissen, im Großen und Ganzen wohl nicht falsch zu liegen)
CLICK

Noch ein Nachtrag: Mündlich übermittelter Kommentar eines Lesers: “Bob ist nun mal Zimmerman(n)” und um im Bild zu bleiben: “Das trifft den Nagel auf den Kopf.”

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