Irgendwann so um die Zwanzig fing ich an mal mehr mal weniger regelmäßig Flohmärkte zu besuchen. Die waren vor dreißig Jahren (?…echt schon so lange her - ach du Scheiße…!) auch eher zufällig mal hier mal da. Die straff durchorganisierten Großtrödelmärkte der Gegenwart mit ihren festen Terminen und Standorten kamen erst in den letzten Jahr(zehnt?)en richtig auf.
Und genauso, wie sich die Märkte und mit ihnen die Standpreise geändert haben, hat sich auch das Such- und Kaufverhalten geändert.
War ich in jungen Jahren noch der Jäger und Sammler von Gimmicks der Konsumgesellschaft, Schallplatten, Spiele und, nach dem Ende des kalten Kriegs, russisches High-tech (Restlichtverstärker für 300 Mark, ein Schnäppchen!), so hat sich das mit schwindender Kaufkraft und gesetzterem Alter entwickelt hin zu Dingen des täglichen Bedarfs. Hier aber eben jenseits der Tupperware und Ikeamöbeln mehr solche der zeitlosen Beständigkeit.
Und weil man mehr Zeit hat, ein solches Event zu genießen, das gute Wetter und das Ambiente, sieht man plötzlich Dinge, die einem früher verborgen geblieben sind. Man schnappt Gespräche auf und manchmal mischt man sich sogar ein - natürlich nur, wenn man was beitragen kann und eigentlich nie kontrovers.

Auch über sowas stolpert man. Bei 200 Euro Startwert sicher auf einem Flohmarkt mindestens genauso deplaziert wie schön.
Jede Zeit hat ihre Flohmarktware, wie es scheint. Waren es vor einigen Jahren die Würfel des Herrn Rubik so sind es zurzeit definitiv Stepper. Die Stepperindustrie muss 2-stellige Zuwachsraten gehabt haben. Jeder scheint einen im Laden oder beim Versandhändler gekauft zu haben, weil eben jeder andere auch einen hatte - musste ja was dran sein. Und jetzt schleppt sie jeder andere zum Flohmarkt und wird sie nicht los, weil man ja auch längst einen hat.
Was wird geschehen mit all den tausenden von unbenutzten Steppern? Eine Frage, die ich wohl mit ins Grab nehmen werde.
Zwei Edelstahlmilchkännchen als Zubehör zur Cappuccinomaschine (zum Umfüllen des Espressos in den Milchschaum) und ein Spatenstiel, den ich im Baumarkt schon mehrmals vergessen habe waren einstweilen meine einzige Ausbeute. Mit zusammen sechs Euro der bislang günstigste Flohmarktbesuch. Aber was ist aus all den anderen Käufen der Vergangenheit geworden? Ich freu mich schon auf nächsten Monat.