Operation Willkür, Teil 1 - Einleitung -

Bloged in Alte Sachen, Politik von euro Donnerstag November 1, 2007

Pünktlich zum 100. Geburtstag des wohl bekanntesten Widerstandskämpfers des 3. Reiches am 15. November und rechtzeitig vor dem Kinostart der erneuten Verfilmung seiner großen, wenn auch misslungenen Tat, möchte ich die Katze aus dem Sack lassen und dem geneigten Leser einige Hintergründe des 20. Juli 1944 und dem damit verbundenen Namen Stauffenberg nahebringen - und was das für uns heute meiner Meinung nach bedeutet.

Obwohl es sich nur um einen winzigen Aspekt des zusammenbrechenden Unrechtsstaates handelt, ist es jedoch von ungeheurer Komplexität. Ich werde versuchen, jeweils alle historisch belegten Fakten, alle nicht mehr verifizierbaren Aussagen, alle Fremdmeinungen und meine eigene Meinung als solche kenntlich zu machen, damit niemand in irgendeine Richtung manipuliert werden muss, wenn er seinen Kopf zu Hilfe nimmt. Ich bitte jetzt schon um Verzeihung, wenn mir das nicht immer gelingt.

Die Folge wird sein, dass sich bei den Lesern je nach persönlichen Erfahrungen und der jeweiligen Lebenssituation ein differenziertes Bild ergibt. Es ist nicht meine Absicht, allen Lesern meine Sicht der Dinge auf zu “missionieren”, wie es üblich ist. Polarisierung wird sich nicht vermeiden lassen. Ich werde Stellung beziehen; als nicht-Journalist brauche ich nicht politisch korrekt ausgewogen zu sein. Selbst Journalisten sind es ja zu einem immer größeren Teil heute nicht.

Beginnen möchte ich mit einer subjektiven, unvollständigen und vereinfachten Darstellung, wie es aus meiner Sicht überhaupt zu einem Regime kommen konnte, gegen das man Widerstand zu leisten hatte:

Der erste Weltkrieg war vorüber, die 20-er Jahre brachten den Deutschen der damaligen Zeit die Weimarer Republik. Eine offene, demokratische Gesellschaft grundsätzlich kapitalistischer Prägung unter der Leitung des Sozialdemokraten Friedrich Ebert, einem Demokraten reinsten Blutes.
Leider nicht verstanden - nicht von links, geschweige von rechts. Vorübergehender Wohlstand. Amerika gilt als großes Vorbild, in Berlin tanzt man Charleston. Ein Putschversuch Adolf Hitlers 1923 scheitert (sic!). Aber die Inflation nimmt rasant zu (ein Brot kostet 2 Milliarden Reichsmark - vormittags…). Die Reichsmark wird von der Rentenmark abgelöst, was zwar vorübergehend Stabilität bringt, aber die soziale Ungerechtigkeit verschärft. Friedrich Ebert stirbt 1925. Amerika erlebt 1929 die größte Wirtschaftskrise seiner Geschichte und reißt Deutschland mit hinein. Tausende stehen vor den Banken, denen sie nicht mehr trauen (sic!) und wollen ihr Erspartes. Die aber machen für eine Woche zu. In Deutschland wächst die Arbeitslosigkeit und die Unzufriedenheit. Eine Gruppe bekommt immer mehr Zulauf. Eine Gruppe die einiges verspricht: Arbeit für alle! Sicherheit (zum Preis von Freiheit freilich - das liegt in der Natur der Sache). Und man verspricht die Schuldigen an den Verhältnissen zu beseitigen. Nach dem Scheitern der Großen Koalition 1930 stellt Präsident Hindenburg den konservativen Heinrich Brüning an die Spitze eines Kabinetts, das ohne Mehrheit im Reichstag regiert - die parlamentarische Demokratie ist am Ende. Brünings Notverordnungen umfassen unter anderem einen harten Konsolidierungskurs um den staatlichen Haushalt auszugleichen. Der soziale Wohnungsbau kommt zum Erliegen, Beamte kaufen weniger, als ihre Gehälter gekürzt werden, Steuererhöhungen senken die Nettolöhne, die Binnennachfrage bricht weg. Hindenburg ist zwar oberster Repräsentant der Demokratie, aber im Herzen lehnt er sie ab. Das nutzen die antidemokratischen Kräfte, die “alten Eliten” um…

Wie es weiterging hat jeder Deutsche je nach Alter sicher bis zur Übelkeit eingetrichtert bekommen. Es ist durchaus möglich, dass gerade diese Tatsache eine Art Widerspruch herausfordert in der Art des heranwachsenden Jugendlichen: “Lass mich doch meine Erfahrungen gefälligst selber machen”. Wie gesagt, das ist nur eine mögliche Theorie, die erklären könnte, was derzeit vorgeht. Die Nervosität, die das Thema herausfordert, wird hervorragend an dem “Fall” Eva Herman(s) deutlich.

Persönliche Anmerkung: Die Moslems von damals hießen Juden. Ansonsten war’s irgendwie genauso wie heute.

Soviel aus einem der vielen möglichen Blickwinkel auf das Feld, das bereitet war, die Saat aufgehen zu lassen. Ein Feld, das inzwischen gerodet, gepflügt und neu gedüngt wurde. . .

Um eine möglichst umfassende Sicht auf die historischen Ereignisse zu bekommen, habe ich zunächst die Biographie Stauffenbergs gelesen und zwei Filme angesehen: “Der 20. Juli” von Karl Löb aus dem Jahre 1955. Den habe ich geschaut, weil er - nur elf Jahre nach dem Anschlag, aber auch 10 Jahre nach dem Zusammenbruch des Naziregimes - zumindest von Zeitzeugen gedreht wurde. Da aber Geschichte immer von den Siegern geschrieben wird, muss man hier vorsichtig sein, einer Glorifizierung nicht zu erliegen. Gottseidank ist Stauffenberg in diesem Film nicht der strahlende Held, sondern eben nur ein Wehrmachtsoffizier, dessen Gewissen besser spät als nie einsetzt. Doch dazu später.

Der zweite Film ist “Stauffenberg” von Jo Baier aus dem Jahre 2004. Den habe ich geschaut, weil er zum einen gute Kritiken hat, aber auch weil er mit einem gewissen Abstand von 60 Jahren entstand. Viel Geschichte ist inzwischen korrigiert. Aber die Frage blieb: Ist er zum Helden hochstilisiert worden? Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Ja, ist er.
Was schade ist. Sein Afrikaeinsatz, der ihn das Auge und eine Hand kostete, wird nur “erwähnt”. Viele verschenkte Gelegenheiten, den Oberst als das zu zeigen, was er war: Hochdekorierter Offizier der Nazis. Und das ist er nicht geworden, weil er als Familienvater theatralisch von einem “friedliebendem, gerechten Volk” geträumt hat. Da hat wohl eher Jo Baier geträumt - wie auch immer, wir waren beide nicht dabei. Dennoch war er sicher weiter von einem idealistischen Pazifisten entfernt, als dieser Film glauben macht. Eine Überraschung: Olli Dittrich als Josef Goebbels privat - das hat er drauf, muss man ihm lassen. Wer mag, kann sich ja selbst überzeugen.

Die Frage nach der Glorifizierung Stauffenbergs ist für mich vor allem deswegen wichtig, weil im kommenden Kassenknüller “Valkyrie” Mr. ‘Top-Gun’ Tom Cruise aus amerikanischer Sicht die Geschichte beleuchtet. Eine Rezension dazu gebe ich ab, nachdem ich den gesehen habe. Ich gebe zu, nicht ohne Vorurteile darauf zu warten, bin aber bereit, mich überraschen zu lassen - angewärmt habe ich mich ja schon.

Würde ich diese Serie hier nicht schreiben, ginge ich nicht hinein. Und ich mache mir die Arbeit einer Stauffenberg-Serie nicht, um eine Rechtfertigung zu haben, reinzugehen - hab’ ich nicht nötig. Immerhin habe ich Titanic auch dreimal im Kino gesehen. Na und? Muss ich mich rechtfertigen? Eben!

Nach dieser Einleitung im 2. Teil eine Kurzbiographie des Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Obwohl sie in der Wikipedia schon sehr gut zusammengefasst ist.Click

Neid

Bloged in Politik, Sprache, Dingenskirchen von euro Donnerstag November 1, 2007

Schon mal aufgefallen? Immer wenn sich in einer Runde Vertreter beider Schneiden der sich immer weiter öffnenden Schere befinden, kommt es unweigerlich dazu, dass der absteigende Ast mehr Gerechtigkeit einfordert und das an einem Beispiel festmacht. Der aufsteigende Ast beantwortet solcherlei Kritik immer mit einem von zwei Stereotypen:

1. Populismus:

Wenn man vorrechnet, dass das Durchschnittseinkommen des abhängig Beschäftigten in den letzten 10 Jahren real gesunken ist, während die Vorstandsgehälter astronomisch abgehoben haben, ist das POPULISTISCH.

2. Neiddiskussion:

Das ist die eigentliche Unverfrorenheit der Abzocker. Wenn ich Gerechtigkeit einfordere, bin ich neidisch, so wird mir vorgeworfen - was für ein Quatsch!
Wenn ich ein Einkommen habe, das meinen einmal erreichten Lebensstandard erhält und vielleicht mal etwas darüber hinaus ermöglicht (jaja, Besitzstandswahrer, ich weiß), dann geht es mir vierspurig am Allerwertesten längs, wieviel irgend so ein Vorstandsfuzzi sich reintut. Wenn der sonst nichts hat, sei es ihm gegönnt. Wenn es nicht ausgerechnet diese maßlosen Selbstbediener wären, die mir Verzicht predigen würden. Das ist - und das wissen sie auch - alles andere als Neid. Im Gegenteil! Neid hieße doch, dass ich diese Menschen beneide, dass ich gerne auch so leben wollte. Weit entfernt! Nicht ums verrecken wollte ich so leben. Leben definiere ich anders. Aber hungern und frieren möchte ich auch nicht. Ein bescheidenes Einkommen, s.o., ist mein Endziel. Euren Reichtum könnt ihr euch dereinst in den Grabstein meißeln lassen. Der beeindruckt mich nicht.
Aber bitte nicht auf meine Kosten. Kein Neid, sondern Rechtsempfinden ist es, was uns treibt. Und das hat aber auch gar nichts mit Neid zu tun.

Bitte?

Ach so:

“Alles Gut und vielen Erfolg.”

Ja, Sie mich auch!

Emspark Impressionen

Bloged in Humor, Sprache von euro Donnerstag November 1, 2007

Als Waldorf und Staedtler in Personalunion Cappuccino trinken, Menschen beobachten und innerlich ablästern. Sehr entspannend.

Eine Frau aus angereichertem Bindegewebe mit Bluetooth am Ohr schiebt einen Einkaufswagen mit einem großen Paket unter dem Korb, das ständig verrutscht und passt gleichzeitig auf ein Söhnchen auf, das artig nebenher läuft.

Sie will hinter mir herein, in die Kaffeeecke. Ich rücke etwas vor und murmle: “Etwas sperrig…” und meine selbstverständlich das Paket!

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Ein Vater mit seinem Sohn kommen vorbei. Der Junge ist ihm wie aus dem Gesicht gerissen. Da bedarfs keines peinlichen Auftritts bei Oli Geissen.

Die essenzielle Frage aus Shakespeares Hamlet, die selbst den
Pro(ll)tagonisten der o.g. Sendung bekannt sein dürfte: “Sein oder nicht sein?” stellt sich hier nicht. Das ist eindeutig “sein” (Sohn).

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Westfälischer Gesprächsfetzen am Nachbartisch, ältere Dame zu ihrem Mann: “Brauchst nicht hingeh’n, die Bedienung kommt am Tisch.”
Würd ich gerne erleben.

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